Im folgenden geht es nicht darum, die Frage zu beantworten, sondern zu klären, welche Antwortkriterien die Frage beinhaltet.
Der Begriff "Märchen" ist so geläufig, dass es überflüssig scheint, ihn näher zu bestimmen. Doch die vielzahl verschiedener Verwendungen macht eine klare Definition nötig. Denn zwischen den Märchen der Brüder Grimm und Deutschland, ein Sommermärchen von Sönke Wortmann besteht doch ein gewaltiger Unterschied. Wichtig bei einer näheren Bezeichnung des Märchens sind zwei Dinge:
1. Eine Auflistung der Märchenmerkmale, die das Märchen aus sich selbst heraus beschreiben.
2. Ein Vergleich mit verwandten Textsorten, der eine Märchen-Definition über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu ähnlichen Gattungen und Genres.
Sonntag, 8. Januar 2012
Freitag, 20. November 2009
Märchen und Sagen aus dem nördlichen Weserbergland
Es ist immer wieder spannend, sich mal die regionalen Sagen und Märchen anzuschauen, und gerade das nördliche Weserbergland hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten. Die bekannteste Geschichte dieser Region ist wohl "Der Rattenfänger von Hameln", die ja nicht nur von den Brüdern Grimm, sondern auch von einigen anderen Autoren bearbeitet wurde. Neben dem Rattenfänger bietet das Buch von Eberhard Michael Iba auf seinen 328 Seiten noch zahlreiche weitere Märchen und Sagen aus Petershagen, Minden, Porta Westfalica, Vlotho, Bad Oeynhausen, Rinteln, Bückeburg, Hessisch Oldendorf, Hameln, Bad Pyrmont, Lügde und dem "Wittekind-Land". Viele der Geschichten sind wirklich nett zu lesen, und man kann sich sehr gut vorstellen, wie sie vor 200 Jahren an den Kaminen der Region den Kindern erzählt wurden. Allerdings ist die sprachliche Aufbereitung oft etwas zäh, und viele der Sagen sind im Grunde nur ein paar Sätze lang, ohne dass sie eine wirkliche Geschichte enthalten. Sie reduzieren sich auf "dies und das ist da und da mal gewesen". Ein Buch für interessierte Sammler und Forscher, das sich allerdings kaum eignet, um Kindern daraus vorzulesen.Eine der Geschichten aus dem Buch ist zum Beispiel "Die Sage vom wilden Schmied" aus Volmerdingsen (Bad Oeynhausen). Den Schmied hat es wirklich gegeben, und er hat wohl im 19. Jahrhundert mehr als 30 Jahre allein in den Wäldern des Wiehengebirges gelebt. Noch heute gibt es Das Gasthaus "Zum wilden Schmied", und eine handvoll Leute aus der Region hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem wilden Schmied ein Denkmal zu setzen.
Aber dies ist nur eine von mehr als hundert Märchen und Sagen, die in der Sammlung zu finden sind. Leider ist das Buch vergriffen, aber es ist noch antiquarisch erhältlich. [Amazon-Marketplace oder ZVAB]
Samstag, 10. Oktober 2009
Walt Disneys "Schneewittchen"
"Schneewittchen" ist nach einer aktuellen Umfrage das in Deutschland beliebteste Märchen. Das Mädchen, das "so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz" ist, wurde in alten Versionen der Grimm-Sammlung auch "Sneewittchen" (1812) oder "Schneeweißchen" genannt. Bekannt wurde das Märchen auch durch den Spruch der bösen Stiefmutter "Spieglein, Spieglein an der Wand / wer ist die Schönste im ganzen Land". Dies geht scheinbar auf Musäus zurück, der in seinem Märchen "Richhilde" (1782) ebenfalls einen Zauberspiegel beschreibt. Richhilde, eine junge, schöne Witwe, sagt zu ihm den Spruch: "Spiegel blink, Spiegel blank / Goldener Spiegel an der Wand / Zeig mir die schönste Dirn in Brabant." Das Märchen "Schneewittchen" ist sehr bildhaft und wurde sehr häufig illustriert. Und auch der Film entdeckte das Märchen recht früh. 1907 und 1917 wurden Kurzfilme gedreht, in denen Kinder als Zwerge auftraten. 1928 und 1939 gab es bereits Tonfilm-Fassungen. Viele weitere Verfilmungen sollten folgen.
Im Jahr 1937, an Weihnachten, hatte Walt Disneys "Schneewittchen und die sieben Zwerge" Premiere. Das Besondere: Es war Disneys erster abendfüllender Zeichentrickfilm, und er sollte einen Stil prägen, dem Disney jahrzehntelang treu blieb, den Musical-Zeichentrickfilm. Disneys "Schneewittchen" ist ein farbenfroher, charmanter, wenn auch hier und da etwas naiver Film. Tiere und Zwerge sind kulleräugig und süßlich, und Schneewittchen selbst singt zu ihrer Beruhigung kitschige Lieder. Ein Highlight des Films ist sicherlich die böse Königin, die in ihrem Hexenlabor gruselige Verwandlungsszenen hat. Auch nach mehr als sieben Jahrzehnten weiß der Film noch zu überzeugen. Einige Szenen haben geradezu klassischen Charakter und wurden oft kopiert und parodiert. Aktuell ist eine neue DVD-Fassung des Films erschienen. Ton und Farben überzeugen, und es gibt allehand interessante Extras.

Interessant ist die Frage, ob dieser Film überhaupt noch ein Märchen ist. Aber diese Frage bezieht sich generell auf Märchenverfilmungen. Durch die Ausgestaltung der Szenen, durch Musik und neue Nebenfiguren verliert die Geschichte ihren märchenhaften Charakter. Märchen und Film sind Formen, die nach unterschiedlichen und einander widersprechenden Regeln funktionieren. Somit ist Walt Disneys "Schneewittchen und die sieben Zwerge" zwar kein Märchen, aber ein ungemein sehenswerter Zeichentrickfilm, an dem, wie bei Disney üblich, Kinder und Erwachsene gleichermaßen ihre Freude haben können.
Im Jahr 1937, an Weihnachten, hatte Walt Disneys "Schneewittchen und die sieben Zwerge" Premiere. Das Besondere: Es war Disneys erster abendfüllender Zeichentrickfilm, und er sollte einen Stil prägen, dem Disney jahrzehntelang treu blieb, den Musical-Zeichentrickfilm. Disneys "Schneewittchen" ist ein farbenfroher, charmanter, wenn auch hier und da etwas naiver Film. Tiere und Zwerge sind kulleräugig und süßlich, und Schneewittchen selbst singt zu ihrer Beruhigung kitschige Lieder. Ein Highlight des Films ist sicherlich die böse Königin, die in ihrem Hexenlabor gruselige Verwandlungsszenen hat. Auch nach mehr als sieben Jahrzehnten weiß der Film noch zu überzeugen. Einige Szenen haben geradezu klassischen Charakter und wurden oft kopiert und parodiert. Aktuell ist eine neue DVD-Fassung des Films erschienen. Ton und Farben überzeugen, und es gibt allehand interessante Extras.
Interessant ist die Frage, ob dieser Film überhaupt noch ein Märchen ist. Aber diese Frage bezieht sich generell auf Märchenverfilmungen. Durch die Ausgestaltung der Szenen, durch Musik und neue Nebenfiguren verliert die Geschichte ihren märchenhaften Charakter. Märchen und Film sind Formen, die nach unterschiedlichen und einander widersprechenden Regeln funktionieren. Somit ist Walt Disneys "Schneewittchen und die sieben Zwerge" zwar kein Märchen, aber ein ungemein sehenswerter Zeichentrickfilm, an dem, wie bei Disney üblich, Kinder und Erwachsene gleichermaßen ihre Freude haben können.
Samstag, 12. September 2009
Der Hase und der Igel
Die Geschichte vom Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel ist eines der zwölf bekanntesten deutschen Volksmärchen. Populäre Versionen gibt es von den Brüdern Grimm und von Ludwig Bechstein. Was die Moral angeht, ist das Märchen allerdings ziemlich verquer. Der Hase macht sich über den Igel lustig, weil der so krumme Beine hat. Der Igel will ihm nun eine Lektion erteilen und fordert ihn zu einem Wettrennen heraus. Da er gegen den schnellen Hasen keine Chance hat, greift er zu einer List. Seine Frau wartet an der Ziellinie und tut so, als sei sie der Igel. Sie ruft: "Ich bin schon da." (bzw. "Ick bün all hier.") Da Hasen die Igel nicht voneinander unterscheiden können, funktioniert die List. Der Hase kann seine Niederlage nicht ertragen, fordert immer wieder Revanche und im 74. Durchgang des Rennens bricht er tot zusammen. Das Märchen hat einige, erwähnenswerte Besonderheiten. Zum einen war es in den ursprünglichen Märchensammlungen der Brüder Grimm gar nicht enthalten. Sie ergänzten es erst 1843 in der 5. Auflage. Bechsteins Version stammt aus dem Jahr 1853. Die erste Veröffentlichung des Märchens war die des plattdeutschen Schriftstellers Wilhelm Schröder. Seine Fassung des Volksmärchens "Dat Wettlopen twischen den Hasen un dem Swinegel up de lütje Haide bi Buxtehude", geschrieben in plattdeutscher Sprache, wurde 1840 im Hannoverschen Volksblatt veröffentlicht. Schröder hatte das Märchen in Bexhövede gehört, wo es auch spielte. Aus unerklärlichen Gründen verlegte Schröder jedoch den Handlungsort nach Buxtehude.
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